Sonntag, 25. September 2016

WICHTIGE DROGEN UND PFLANZLICHE INHALTSSTOFFE - KURZBESCHREIBUNGEN

Einführung

Eine besondere Gruppe bilden die Pflanzen , die als Ganzes oder in Teilen (z.B. die aus ihnen gewonnenen Substanzen) zur Herstellung von Heilmitteln verwendet werden.
Man nennt sie Heilpflanzen oder Arzneipflanzen.
Aus den Heilpflanzen werden meist durch Trocknung, seltener durch andere Arten der Haltbarmachung Drogen gewonnen.
Die Wissenschaft, die sich mit der Herkunft, dem Aussehen, der Zusammensetzung der Drogen befasst, heißt Pharmakognosie oder Drogenkunde (pharmakon = Arznei, Gift; gnosis = Kenntniss, Wissenschaft).
Zu ihren Aufgaben gehört auch das Ausfindigmachen von neuen Heilpflanzen , außerdem befasst sie sich mit Problemen des Sammelns und des Anbaus von Heilpflanzen sowie mit der Zubereitung biogener Heilmittel.
Schließlich versucht sie, aufgrund der erhaltenen Ergebnisse, allgemeine Gesetzmäßigkeiten aufzufinden und die gewonnenen Erkenntnisse praktisch anzuwenden.

ARZNEIDROGEN

Drogen sind alle biogene Arzneimittel komplexer Natur (Arzneidrogen), sofern sie nicht als Arzneizubereitungen zu betrachten sind, sowie biogene Rohstoffe, die in der Industrie Verwendung finden (Industriedrogen).
Die Pflanze, die die Droge liefert, nennt man Stammpflanze.
Es versteht sich, das die Pflanzen beziehungsweise die Pflanzenteile so getrocknet, aufbewahrt und zubereitet werden müssen, dass Menge und Qualität der in ihnen erhaltenen Wirkstoffe nach Möglichkeit erhalten bleiben.

WIRKSTOFFE UND BEGLEITSTOFFE

Aus der Sicht ihrer Inhaltsstoffe sind die Drogen ein buntes Gemisch von Stoffwechselprodukten des lebenden Pflanzenkörpers.
Ihrer Heilkraft nach teilt man diese Stoffe in Wirkstoffe, Begleitstoffe und Ballaststoffe ein.
Wirkstoffe sind die Träger der Heilkraft der Droge.
Begleitstoffe sind an und für sich nur von geringfügiger Heilkraft, unterstützen aber ganz wesentlichdie Heilkraft der Wirkstoffe.
Die Ballaststoffe sind für den Heileffekt der Droge bedeutungslos oder setzen diesen herab, einige wie zum Beispiel Stärke, finden als Deck oder Schutzstoffe arzneiliche Verwendung.
Drogen werden heute in bedeutend geringerem Maße als früher zur Heilung oder Vorbeugung von Krankheiten gebraucht, man benutzt sie vielmehr als Rohstoffe in der pharmazeutischen Industrie.
Die moderne Medizin bevorzugt (nicht immer mit vollem Recht) die aus Heilpflanzen durch Isolation gewonnen Wirkstoffe oder ähnliche, synthetisch hergestellte Substanzen.
Drogen werden von wildwachsenden oder angebauten Pflanzen gewonnen.
Je nach Wirkungsintensität unterscheidet man toxische (giftige, stark wirksame) und nicht toxische (ungiftige) Drogen.
Eine genaue Trennung zwischen diesen beiden Gruppen gibt es jedoch nicht.
Toxische Drogen müssen unbedingt deutlich gekennzeichnet und von anderen Drogen getrennt gelagert werden, der Umgang mit ihnen unterliegt besonderen Vorschriften.

KOHLENHYDRATE

Kohlenhydrate (Zucker, Saccharide) bilden eine wichtige Gruppe pflanzlicher Inhaltsstoffe, auf die mitunter bis zu 75 Prozent der trockenen Pflanzensubstanz entfallen.
Für die Ernährung von Mensch und Tieren sind sie von größter Bedeutung.
Man unterscheidet niedrige, wasserlösliche Kohlenhydrate.
Die wichtigsten wasserlöslichen Kohlenhydrate sind Glukose, Fruktose und Saccharose.

GLUKOSE

Die Glukose auch Traubenzucker oder Dextrose genannt, ist der in der Natur am häufigsten (vor allem in reifem Obst und in Pflanzensäften) vorkommende wasserlösliche Zucker.
Man verwendet sie zum Süßen und als Nähr- und Kräftigungsmittel.

FRUKTOSE

Die Fruktose oder der Fruchtzucker findet sich vor allem in reifem Obst.
Fruktose und Glukose kommen häufig zusammen vor.

SACCHAROSE

Die Saccharose, der Rüben- oder Rohrzucker, ist nach der Glukose der in der Natur verbreiteste wasserlösliche Zucker.
Alle drei erwähnten Zucker bilden einen wesentlichen Bestandteil des Bienenhonigs.
Die wichtigsten nicht wasserlöslichen Kohlenhydrate sind die Stärke, das Inulin und die Zellulose.

STÄRKE

Stärke bildet sich in den grünen Pflanzenteilen.
Sie ist nach der Zellulose die in größten Mengen in den Pflanzen vorkommende Substanz.
Mit ihren hohen Kaloriengehalt ist sie für die Ernährung der Menschheit von größter Bedeutung.
Für therapeutische Zwecke und zur industriellen Verarbeitung wird die sogenannte Reservestärke verwendet, die von zahlreichen Pflanzen in den Samen, Knollen, Wurzeln und Blättern gespeichert wird.
Besonders reich an Stärke sind Kartoffen und Getreidekörner.
Durch Hydrolyse (Spaltung chemischer Verbindung durch Wasser) kann man aus Stärke Glukose gewinnen.

INULIN

Das Inulin ist ein ähnlicher Reservestoff wie die Stärke.
Es besteht aus mehreren Fruktoseeinheiten, in die es aufgespalten werden kann.
Das Inulin ist in erster Linie für die Diät von Zuckerkranken von Bedeutung.
In größeren Mengen kommt es vor allem in den Wurzeln der Wegwarte (Zichorie), des echten Alant und andere Korbblüttler vor.

ZELLULOSE

Zellulose ist als wichtigste pflanzliche Gerüstsubstanz in der Natur sehr häufig, sie bildet die Zellwände und ist ein wichtiger Bestandteil der Holzgewebe höherer Pflanzen.
Baumwolle, die wegen ihrer Formbeständigkeit hervorragend als Verbandswatte geeignet ist, ist fast reine Zellulose.
Durch Hydrolyse kann man aus Zellulose, Glukose gewinnen.
Zu den Zuckern zählen auch die vorwiegend in Fruchtsäften enthaltenen Pektine, die unter bestimmten Voraussetzungen Geele bilden und in der lebensmittelindustrie Verwendung finden, sowie Schleime.
Letztere kommen unter anderen in den Blättern und Wurzeln des echten Eibisch, in Malvenblättern, in Leinsamen, im Isländischen Moos und im Bockshornklee vor.
Schleime üben einen günstigen Einfluss bei Hautentzündungen und Schleimhautentzündungen der oberen Atemwege aus, da sie die entzündete Stelle ,,einhüllen" und sie so vor mechanischen Reizen und anderen Reizstoffen schützen.

GLYKOSIDE

Glykoside kommen in größeren Mengen vor allem im Zellsaft einiger Pflanzen vor, wo sie eine wichtige Speicher und Schutzfunktion erfüllen.
Man teilt sie nach ihrer chemischen Zusammensetzung und physiologischen Wirkung in folgende Gruppen ein:

CYANOGENE GLYKOSIDE

Bei deren Spaltung entsteht stark giftiger Cyanwasserstoff (Blausäure).
Cyanogene Glykoside finden sich zum Beispiel in bitteren Mandeln.

HAUTREIZENDE SENFÖLGLYKOSIDE

Senfölglycoside sind schwefelhaltige und stickstoffhaltige chemische Verbindungen, die aus Aminonsäuren gebildet werden.
Diese sekundären Pflanzenstoffe geben Gemüse (z.B. (Meer)Rettich, Senf,(Kapuziner)Kresse) und Kohl den etwas bitteren Geschmack.

ANTHRACHINONGLYKOSIDE
Rinde des Faulbaums

Diese Glykoside wirken abführend.
Sie kommen unter anderem in der Rinde des Faulbaums und den Früchten des Purgierkreuzdorns, in Rhabarberwurzeln und in Sennesblättern vor.

PHENOLGLYKOSIDE

Diese Glykoside sind unter anderem enthalten in den Blättern der Bärentraube, in Preiselbeeren, im Heidekraut und in der Weidenrinde.

HERZWIRKSAME GLYKOSIDE

Diese Glykoside finden sich unter anderem im Kraut von Frühlingsadonisröschen, Maiglöckchen und Fingerhut und sind bereits in kleinen Mengen stark giftig.

BITTERSTOFFGLYKOSIDE

Sie bilden den Hauptwirkstoff der Enzianwurzel, des Tausendgüldenkrauts, des Fieberklees und anderen Arzneipflanzen.

SCHWEISSTREIBENDE GLYKOSIDE

Diese Glykoside sind unter anderem enthalten in Holunderblüten und Lindenblüten.

SAPONINGLYKOSIDE

Sie haben die Eigenschaft, wie Seife im Wasser zu schäumen, wenn sie mit Blut in Berührung kommen, verursachen sie schon in kleinen Mengen Hämolyse, das heißt die Zerstörung der roten Blutkörperchen.
In der Medizin werden Saponinglykoside als schleimlösende und auswurffördernde Mittel bei Katarrhen der oberen Atemwege verordnet.
Zu denSaponindrogen gehören unter anderem die Wurzeln des Seifenkrauts, der Wiesenprimel und des Süßholzes, das Bruchkraut, die Blüten der Königskerze, das Kraut des Feldstiefmütterchens, des Märzveilchens und der Goldrute sowie Birkenblätter.

CUMARINGLYKOSIDE

Bei Trocknen von Cumarinpflanzen (z.B. Steinklee und Waldmeister) kommt es zur Spaltung der Cumaringlykoside und zur Bildung von Cumarin, das den charakteristischen Geruch der Cumarindrogen verursacht.
Das Derivat Dicumarol hat die Eigenschaft eines K-Antivitamins, es hemmt die Blutgerinnung.
Von anderen Derivaten, der Hydroxycumarinen, werden in neuster Zeit vor allem das Aesculin bei Krampfadern, Hämorrhoiden und subkutanen Blutungen und das Khellin bei Verletzungen des Herzmuskels und als koronarerweiterndes Mittel gebraucht.
Ersteres ist unter anderem in der Zweigrinde der Rosskastanie enthalten, Letzteres wird aus der in Ägypten heimischen Pflanze Ammi visnaga (Bischofskraut) gewonnen.

FLAVONGLYKOSIDE

Diese Glykoside, auch Bioflavonoide genannt, bilden in neuster Zeit den Gegenstand eingehender wissenschaftlicher Untersuchungen.
Ihre Wirkung auf den menschlichen Organismus ist vielseitig, aber nicht eindeutig.
Im Allgemeinen stärken sie die Wände der Haargefäße, wirken sich hemmend auf Infektionskrankheiten aus und sind harntreibend.
Zahlreiche Flavondrogen wie Weißdornfrüchte und -blüten erweitern die Herzkranzgefäße, senken den Blutdruck und wirken herzstärkend, andere, wie die aus der Samenschale der Erdnuss gewonnen Flavonoide, steigern die Blutgerinnung.

GERBSTOFFE
Zellsafträume

Gerbstoffe sind pflanzliche Baustoffe, Schutzstoffe und Reservestoffe.
Sie kommen in vielen Pflanzen gelöst in Zellsaft oder konzentriert in besonderen Zellsafträumen, den sogenannten Gerbstoffvakuolen, vor.
In besonders starker Konzentration findet man sie im Zellsaft kranker oder von Parasiten befallener Zellen (z.B. Galläpfeln).
Gerbstoffe sind im Pflanzenreich vor allem in der Baumrinde sehr verbreitet.
An der Luft zersetzen sie sich unter dem Einflusss des Sauerstoffs, gerbstoffartige Drogen müssen dementsprechend aufbewahrt werden.
Sehr leicht verbinden sich Gerbstoffe auch mit Eisensalzen und liefern grüne bis schwarze Fällungen.
Man muss daher beim Sammeln gerbstoffhaltiger Pflanzen (vor allem Rinden) nicht rostende Geräte benutzen.
Zu den Gerbstoffdrogen gehören unter anderem die Eichenrinde, Heidelbeeren, der Wurzelstock der Blutwurz, des Schlangenknöterichs und des großen Wiesenknopfs, Nussblätter, Galläpfel sowie das Kraut des Odermennigs, des Andorns und des Vogelknöterichs.

FETTE UND ÖLE

Fette und Öle treten in Pflanzen sowohl als Baustoffe als auch als Reservestoffe auf.
Sie entstehen in der Pflanze wahrscheinlich schon bei der photosynthetischen Assimilation aus Zucker.
Man findet sie vor allem in den wichtigsten Speicherorganen, wie in Samen und Früchten.
Bei unfachmäßiger oder langer Lagerung (an der Luft oder in feuchten und vor allem hellen und warmen Räumen) zersetzen sich die Fette, werden ranzig und unbrauchbar.
Im Pflanzenreich findet man in erster Linie Öle.
Zu den ölhaltigen Drogen gehören unter anderem Olivenfrüchte und Rizinus, Leinsamen und Sonnenblumensamen.
Zur Gruppe der Fette und Öle zählt man auch die ihnen chemisch nahestehenden Wachse, die man als Überzug von Früchten, Blättern, Zweigen und Wurzeln findet und die Pflanzen gegen das Eindringen von Wasser und gegen Austrocknung schützen sowie die Phytoserine, die wegen ihrer engen Beziehung zu den Hormonen bemerkenswert sind.

ÄTHERISCHE ÖLE
Zitronenöl

Ätherische Öle sind flüssige pflanzliche Stoffe von mehr oder weniger angenehm aromatischem Geruch, die sich schon bei Zimmertemperatur verflüchtigen.
In den Pflanzen befinden sich ätherisches Öl meistens in besonderen Ölzellen, Drüsen oder Kanälen, wo es als Abfallprodukt des Stoffwechselprozesses abgelagert wird.
Der Gehalt an ätherischen Öl schwankt sehr stark je nach Alter der Pflanzen, Jahreszeit und Klima.
Da sich ätherische Öle leicht verflüchtigen, muss das Pflanzenmaterial bei niedriger Temperatur (keinesfalls an der Sonne) schnell getrocknet und die Droge in dichtschließenden Gefäßen aufbewahrt werden, bei langer Lagerung verliert sie ihre Heilkraft.
Teebaumöl
Unter dem Einfluss von Luft und Licht verharzen ätherische Öle leicht.
Ätherische Öle kommen in vielen Pflanzen vor, bei einzelnen besonders reichlich.
Pflanzen, die ätherische Öle enthalten, erkennt man leicht an ihrem aromatischen Geruch.
Zu den Heilpflanzen, deren wirksame Hauptbestandteile ätherische Öle sind, gehören der Gartenfenchel, der echten Kamille, der echte Lavendel, die Zitronenmelisse und der echte Thymian.
Eine ähnliche Funktion wie die ätherischen Öle erfüllen im Pflanzenkörper die Harze, Harze werden zum Teil von unverletzten Pflanzen ausgeschieden, zum Teil bilden sie sich erst nach Verwundung der Pflanze.

ALKALOIDE

Alkaloide sind meist komplizierte basische, stickstoffhaltige Substanzen, die zum größten Teil pharmakologische Wirkung besitzen, sie entstehen in vielen Pflanzen ebenfalls als Abfallprodukt des Stoffwechselprozesses.
Es gibt sehr verschiedene, für bestimmte Pflanzenarten, Pflanzengattungen oder Pflanzenfamilien charakteristische Alkaloide.
Am häufigsten findet man Alkaloide in zweikeimblättrigen Gewächsen.
Die Zellen, in deren Saft die Alkaloide an organische Säuren gebunden sind, befinden sich meist in den äußeren Geweben (z.B. in der Rinde).
Abgesehen von einigen Ausnahmen sind die Alkaloide stark giftig, schon einige Zehntel oder Hundertstel Gramm können gefährliche Vergiftungen oder gar den Tod bewirken.
Diese Tatsache darf beim Umgang mit alkaloidhaltigen Pflanzen und Drogen nicht außer Acht gelassen werden.
Zu den Alkaloiddrogen gehören zum Beispiel die Blätter des Bilsenkrauts, der Tollkirsche und des Stechapfels, des Schöllkrauts,das Kraut der Lobelie, Samen und Knollen der Herbstzeitlosen.
Die Verabreichung von Alkaloiddrogen darf nur auf ärztliche Anweisung erfolgen.

ORGANISCHE SÄUREN

Organische Säuren sind für den Druckausgleich in der Pflanze von großer Bedeutung, sie regeln die Wasserdurchlässigkeit der Zellhaut.
Die Wirkung organischer Säuren auf den menschlichen Organismus ist vielseitig und unterschiedlich.
Von den bekanntesten seien sie an dieser Stelle lediglich die Apfelsäure, Zitronensäure, Oxalsäure und Weinsäure und deren Derivate erwähnt.
Organische Säuren kommen am häufigsten in Früchten vor.

PHYTONZIDE
Schimmelpilz auf einer Nektarine

Phytonzide sind chemisch uneinheitliche pflanzliche Inhaltsstoffe, die eine hemmende Wirkung auf das Wachstum krankheitserregender Mikroorganismen ausüben.
Sie dienen der Pflanze offensichtlich als natürliche Abwehrstoffe gegen Krankheitserreger.
Ihrer Wirkung nach ähneln sie den von niederen Pflanzen wie Pilzen, Schimmelpilzen und Bodenbakterien gebildeten Antibiotika.
Phytonzide sind unter anderem in Tomaten, Küchenzwiebel, im Knoblauch, im Meerrettich und in Zitronen enthalten.

VITAMINE

Vitamine gehören zu den Ergonen, das heißt zu jenen Inhaltsstoffen, die der Pflanze nicht als Energiequelle dienen, aber in kleinsten Mengen trotzdem für das normale Leben der Pflanze unerlässlich sind.
Sie sind verhältnismäßig komplizierte und meist unbeständige organische Substanzen, die in geringen Mengen im Pflanzenkörper und im Körper einiger weniger Tiere gebildet werden.
Der Mensch und von wenigen Ausnahmen abgesehen, auch alle Tiere müssen diese aus Vorstufen, sogenannten Provitaminen, bilden.
Einige Vitamine entstehen im menschlichen Körper aus Provitaminen durch die Einwirkung von Darmbakterien.
Gänzliches oder weitgehendes Fehlen von Vitaminen in der Nahrung führt bei Mensch und Tier zu schweren Krankheitserscheinungen (Mangelkrankheiten oder Avitaminosen).
Mangel, jedoch nicht völliges Fehlen von Vitaminen, verursacht Hypovitaminosen, die unter anderem eine Herabsetzung der Widerstandskraft des Organismus gegen Infektionen zur Folge haben.
Aber auch die Verabreichung zu hoher Vitamingaben kann zu Störungen im Organismus (Hypervitaminosen) führen.

ENZYME

Ebenso wie die Vitamine gehören auch die Enzyme zu den Ergonen, den biologischen Wirkstoffen, welche die lebensnotwendigen chemischen Umsetzungen im Organismus auslösen und steuern.
Sie werden im Zellinneren gebildet, sind in allen Zellen vorhanden und beteiligen sich an sämtlichen chemischen Reaktionen im Organismus.
Sie sind oft labil und temperaturempfindlich.
Um sie zu erhalten, ist es daher notwendig, das Sammeln, Trocknen und Lagern von Heilpflanzen genau nach den empfohlenen Richtlinien vorzunehmen.

MINERALSTOFFE

Mineralstoffe treten im Organismus der Pflanze vorwiegend als Salze auf.
Am bekanntesten ist die Kieselsäure.
Sie ist nur teilweise wasserlöslich, besser löst sie sich in Alkohol oder Äther.
Zu den kieselhaltigen Heilpflanzen gehören unter anderem Ackerschachtelhalm, der bunte Hohlzahn, das echte Lungenkraut, der Odermennig und der Vogelknöterich.
Kieselkräutertees werden als Abkochung zubereitet.

MILCHSÄFTE

Milchsäfte finden sich in den Milchröhren einiger Gewächse.
In der Regel sind sie Emulsionen, das heißt ein Gemenge nicht ineinander löslicher Flüssigkeiten.
Milchsäfte können Kautschuk, Fette, Eiweißstoffe, Harze, Zucker, Alkaloide, Schleime und andere Substanzen enthalten.
Ein bekannter und pharmazeutisch wichtiger Milchsaft ist das Opium, das durch Anritzen unreifer Kapseln des Schlafmohns gewonnen wird.

PFLANZENFABSTOFFE

Pflanzenfarbstoffe, die für das leben der Pflanze von außerordentlicher Bedeutung sind, werden nach ihrem Vorkommen und ihrer Löslichkeit in zwei Gruppen eingeteilt, in Lipochrome und Hydrochrome.

LIPOCHROME

Die Lipochrome sind fettartige Farbstoffe, die in den Pflanzenorganen der Pflanzenzellen gebildet werden.
Zu ihnengehören das für die Photosynthese unentbehrliche Chlorophyll und die Begleitfarbstoffe Carotin und Xanthophyll.
Die grüne Färbung der Pflanzen kommt durch eine Kombination dieser drei Farbstoffe, des grünen Chlorophylls, des gelben Xanthophylls und des orangegelben bis roten Carotins zustande.
Die beiden letzteren können auch die rote oder gelbe Farbe von Kornblättern, Blütenhüllblättern, Fruchtwänden (z.B. der Hagebutte) und Früchten (Paprika, Kürbis) bewirken.
Heute kennt man bereits fünfzig verschiedene zu den Lipochromen zählenden Pflanzenfarbstoffen.

HYDROCHROME

Die Hydrochrome sind im Unterschied zu den Lipochromen wasserlösliche Farbstoffe und befinden sich daher in Zellsaft gelöst in den Vakuolen (Zellsafträumen).
Zu ihnen gehören in erster Linie die Anthocyane, die ihre Farbe je nach dem Säuregehalt der Umgebung von Rot bis Blau ändern und denen viele Blumen (z.B. Rosen, Kornblumen, Rittersporn), Früchte (Kirschen, Heidelbeeren und andere) und Blätter ihre schöne Farbe verdanken.
Medizinisch haben die Pflanzenfarbstoffe sehr unterschiedliche Wirkung.
Das Chlorophyll besitzt unter anderem antibakterielle Eigenschaften, das Anthocyan der Heidelbeere beschleunigt die Regeneration des Sehpurpurs in der Netzhaut des menschlichen Auges und das Carotin verwandelt sich im menschlichen Organismus zu Vitamin A. 

Netzhaut des menschlichen Auges:
 
1. Lederhaut (Sclera)
2. Aderhaut (Chorioidea)
3. Schlemm-Kanal (Sinus venosus sclerae/Plexus venosus sclerae)
4. Iriswurzel (Radix iridis)
5. Hornhaut (Cornea)
6. Regenbogenhaut (Iris)
7. Pupille (Pupilla)
8. vordere Augenkammer (Camera anterior bulbi)
9. hintere Augenkammer (Camera posterior bulbi)
10. Ziliarkörper (Corpus ciliare)
11. Linse (Lens)
12. Glaskörper (Corpus vitreum)
13. Netzhaut (Retina)
14. Sehnerv (Nervus opticus)
15. Zonulafasern (Fibrae zonulares)